unverschämte Fragen・unverstellte Antworten

Anke Kalläne
„Wie kann das noch funktionieren?”

ANKE KALLÄNE, ANGEHÖRIGE

58 JAHRE
PLEGT IHRE MUTTER IN BRANDENBURG AN DER HAVEL

Fahrdienste, einkaufen, Haushalt schmeißen. Bisher kann Anke Kalläne ihre Eltern noch unterstützen. Doch was ist, wenn es den beiden schlechter geht? Die Schlüssel fürs Haus bekommt sie bisher nicht.

Mama kann sich nicht mehr kümmern, sieht es aber nicht ein. Ist es ok, Papa trotzdem ins Heim zu geben?

„Bei dieser Frage bin ich ziemlich ratlos. Meine Eltern leben in einem großen Haus. Mein Vati war dieses Jahr lange im Krankenhaus und braucht seitdem viel Unterstützung von meiner Mutti, die aber selbst Pflegegrad 1 hat. Ich kümmere mich zwar um die beiden, frage mich aber trotzdem: Wie lange kann das in ihrem Haus noch funktionieren? Im Krankenhaus hat mein Vati vorgeschlagen, dass wir mal nach einem Angebot für Betreutes Wohnen suchen sollten. Wenn ich mit meiner Mutti darüber spreche, blockt sie aber total ab. Von Patientenverfügungen oder einer Vorsorgevollmacht will sie auch nichts hören und einen Schlüssel für das Haus bekomme ich auch nicht. Sie meint, ihnen würde doch nichts passieren. Manchmal werde ich schon ein bisschen sauer; ich will ja nur das Beste für die beiden. Aber ich glaube, ich muss einfach abwarten, bis meine Mutti merkt, dass sie es nicht mehr schafft und meine Hilfe nicht ausreicht. Dann ist sie vielleicht bereit, dass wir nach einer Lösung für beide schauen. Meinen Vati allein ins Heim stecken, das würde sie nie zulassen.”

Protokoll: Hannah Weber


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